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Transportsysteme

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Zum Transport des Erdgases zu Lande, auf dem Meeresgrund oder per Tanker lassen sich leistungsfähige und erprobte Techniken nutzen.

Erdgaslieferungen über Land

Mit der Überbrückung immer größerer Entfernungen zwischen Erdgasexportländern und -importländern wuchs die Technik des Erdgastransports in neue Dimensionen hinein. Heute überbrücken moderne Leitungssysteme Entfernungen von mehr als 5 000 km. Die Leitungsdurchmesser betragen bis zu 1,40 m. Betriebsdrücke erreichen an Land bis zu 100 bar, bei auf dem Meeresgrund verlegten Leitungen bis zu 200 bar.

In Westeuropa waren Mitte der sechziger Jahre, als die niederländischen Erdgaslieferungen in die Nachbarländer begannen, nur relativ geringe Entfernungen von etwa 200 km zu überwinden. Im Jahre 1973 kam Erdgas erstmals über eine Strecke von 1 800 km aus der ehemaligen UdSSR in die Bundesrepublik Deutschland.

Seit 1978 fliesst Erdgas durch ein rd. 5 500 km langes Leitungssystem aus Westsibirien nach Deutschland. Es gibt Pläne, über eine Entfernung von rd. 8 000 km Erdgas aus Alaska durch Kanada in die USA zu transportieren. Ebenso sind Leitungsprojekte über große Entfernungen im asiatischen Raum im Gespräch.

Erdgaslieferungen per Unterwasserpipeline

Auch die Lieferungen von Erdgas aus Offshore-Gebieten durch Unterwasserpipelines haben sich seit langem bewährt. Seit 1977 gelangt Erdgas aus dem Ekofisk-Gebiet in der norwegischen Nordsee über 440 km nach Emden. Ebenfalls 1977 wurde eine Doppelpipeline von 360 km Länge aus dem weiter nördlich gelegenen Frigg-Feld nach St. Fergus in Schottland in Betrieb genommen. Die 450 km lange Unterwasserpipeline vom britischen Brent-Feld nach St. Fergus wurde 1978 fertig gestellt.

Das Statpipe-System (1985), die Zeepipe (1993) und die Europipe (1995) bilden die Infrastruktur für den Transport von Gas aus Feldern der norwegischen Nordsee zum Kontinent. Die Gesamtlänge beträgt rd. 3 000 km.

Bei der Pipeline von Algerien über Tunesien nach Italien sind im Mittelmeer fünf Rohrleitungen in Wassertiefen bis zu 600 m verlegt worden.

Eine zweite Pipelineverbindung von Algerien nach Europa (Länge rd. 1 400 km, Durchmesser bis zu 1,20 m) wurde Ende 1996 fertig gestellt. Diese Leitung unterquert die Straße von Gibraltar. Durch sie wird algerisches Erdgas über Marokko nach Spanien und Portugal fliessen; denkbar sind später auch Lieferungen nach Westeuropa.

Erdgaslieferungen per Tanker

Erdgas kann auch per Tanker in verflüssigter Form (Liquefied Natural Gas = LNG) bezogen werden. Für die Überbrückung großer Seestrecken steht eine ausgereifte Technik zur Verfügung. In Verflüssigungsanlagen in unmittelbarer Nähe der Verladehäfen wird Erdgas auf rd. -160°C abgekühlt. Dabei verflüssigt es sich und nimmt auf etwa ein Sechshundertstel des Normvolumens ab. Das Flüssigerdgas wird in speziellen Tankschiffen zum Zielhafen des Importlandes gebracht. Dort wird es entladen, wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückgeführt und in das Erdgasleitungssystem eingespeist.

Flüssigerdgas wird über immer größere Entfernungen geliefert. Erste regelmässige LNG-Lieferungen wurden 1964 von Algerien nach Großbritannien über eine Distanz von 2 900 km aufgenommen. LNG-Schiffe transportieren seit 1977 verflüssigtes Erdgas über rd. 12 000 km von Abu Dhabi am Persischen Golf nach Japan. Weitere LNG-Ketten verbinden z.B. Algerien mit verschiedenen europäischen Ländern. Der bisher längste LNG-Transport wurde 1986 von Indonesien nach Boston/USA durchgeführt (rd. 24 000 km). Seit 1993 bezieht Spanien in geringem Umfang LNG aus Australien über eine etwa gleich große Distanz.

Die Wirtschaftlichkeit weiterer LNG-Projekte und der Zeitpunkt der Lieferaufnahme sind - wie bei Pipelineprojekten - wesentlich durch die künftige Energiepreisentwicklung bestimmt: Steigt der Marktwert für Energie, können die im Vergleich zu bisherigen Erdgasbezügen höheren Bezugskosten für LNG durch die auf dem Markt erzielbaren Erlöse abgedeckt werden. Möglicherweise kann LNG langfristig einen Beitrag zur deutschen Erdgasversorgung leisten.

Die DFTG Deutsche Flüssigerdgas Terminal Gesellschaft mbH hat die Voraussetzungen für den Bau eines Flüssigerdgas-Terminals in Wilhelmshaven geschaffen. Dieser Terminal wird realisiert, wenn ein entsprechender LNG-Bezugsvertrag vereinbart ist.