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Die Preisbildung beim Erdgas

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Erdgas steht mit anderen Energieträgern wie leichtem und schwerem Heizöl, Flüssiggas, Kohle, Strom oder Fernwärme im Wettbewerb um Kunden. Erdgas kann in seinem Absatzmarkt alle anderen Energien ersetzen. Umgekehrt kann es genauso gut überall dort, wo es bereits verwendet wird, durch andere Energien verdrängt werden.

Durch diesem Wettbewerb muss sich der Gaspreis an der Marktsituation in jedem speziellen Anwendungsbereich orientieren; eigenständige, vom Wettbewerb losgelöste Preise wären für Erdgas ohne Auswirkungen auf die Absatzchancen nicht möglich. Das gilt für den Erdgaspreis wie für jeden Preis, der sich auf Märkten bildet.

Das Erdgas befindet sich seit Jahrzehnten in diesem intensiven Substitutionswettbewerb, insbesondere mit dem leichten Heizöl. Auf der Ferngasstufe ist Anfang der 90er Jahre der interne Wettbewerb hinzugekommen.

Die wettbewerbsfähigen Heizkosten im Wärmemarkt ermittelten sich aus allen für den Verbraucher anfallenden Kosten , die sich bei der Umwandlung der jeweiligen Einsatzenergie in Nutzenergie ergeben. Die Kosten für den Brennstoff machen nur einen Teil der gesamten Heizkosten für die Raumheizung aus. Bei einem vollständigen Kostenvergleich müssen deshalb zusätzlich der Kapitalauf- wand für die Heizungsanlage einschließlich Heiz- und Lagerraum beziehungsweise Tank und Anschlussleitung sowie die sonstigen Betriebskosten berücksichtigt werden.

Der wettbewerbsfähige Preis für Erdgas ist bei dem Preis gegeben, bei dem die Gesamtkosten der Erdgasheizung mit den gesamten Kosten des alternativen Heizsystems - das ist meistens die Ölheizung - übereinstimmen.

Für den Verbraucher sind bei seiner Entscheidung für ein Heizsystem auch die nicht in Geld bemessbaren Vorteile einer Energie von Bedeutung. Sicherheit der Versorgung, Komfort, Sauberkeit, rationelle Einsatzmöglichkeit und die umweltschonende Verwendbarkeit, aber auch eingesparter Platz, keine Notwendigkeit zum "Beschaffungs-Management" und ein gleichmäßig über das Jahr verteilter finanzieller Aufwand bilden einen zusätzlichen geldwerten Nutzen.

Erdgaspreise sind Marktpreise

Die jeweilige Wettbewerbssituation bestimmt die Erdgaspreise der Gasversorgungsunternehmen.

Aus Markt- und Wettbewerbsgründen ist der Gaspreis an den Ölpreis gebunden - man spricht von der Ölpreisbindung. Fällt der Ölpreis, fällt auch der Gaspreis. Steigt der Ölpreis, steigt entsprechend auch der Gaspreis.

Ein Grund für die Ölpreisbindung ist, dass sie vor der Marktmacht der wenigen großen Erdgasproduzenten schützt. Deutschland importiert Erdgas zu rund 80 Prozent aus nur drei Lieferländern: Russland, Norwegen und Niederlande.

Diesem Anbieter-Oligopol muss im Interesse der deutschen Erdgasverbraucher etwas entgegengesetzt werden. Durch langfristige Liefer- und Abnahmeverträge haben Gasimportgesellschaften wie die Ruhrgas eine Marktposition von Gewicht gegenüber den Lieferländern. Denn erst die langfristigen Abnahmeverpflichtungen der Importgesellschaften geben den Produzenten die notwendige finanzielle Grundlage für die extrem kostenintensive Realisierung großer Förderprojekte. Langfristige Verträge mit verbindlichen Preisregelungen wirken als Schutzschild gegen überzogene Preisforderungen der wenigen Erdgasproduzenten. Die langfristigen Abnahmeverpflichtungen der Gasimporteure können aber nur Bestand haben, wenn das importierte Gas jederzeit zu marktgerechten Preisen absetzbar ist. Marktgerecht bleiben die Preise durch eine Regelung, die den Erdgas preis flexibel am Wettbewerb orientiert: die Ölpreisbindung.

Der zweite Grund für die Ölpreisbindung besteht darin, dass Heizöl der wichtigste Konkurrent des Erdgases ist. Für den Erdgaspreis ist allein die Konkurrenzsituation ausschlaggebend. Wärme kann mit Erdgas, aber auch mit Heizöl und anderen Energien erzeugt werden. Auf dem Wärmemarkt herrscht deshalb scharfe Konkurrenz, insbesondere zwischen Heizöl und Erdgas. Durch die Anbindung des Erdgaspreises an den Heizölpreis bleibt das Erdgas gegenüber Heizöl immer wettbewerbsfähig.

Für die privaten und gewerblichen Verbraucher werden von den örtlichen Versorgungsunternehmen einheitliche Preise (Tarife) für verschiedene Kundengruppen gebildet. Diese Tarife orientieren sich an der Wettbewerbssituation für Erdgas im jeweiligen Versorgungsgebiet. Sie gelten einheitlich für die einzelnen Kundengruppen. Bei Veränderungen der Marktsituation werden die Tarife entsprechend angepasst.

Zu den Preisen, zu denen im Wettbewerb mit anderen Energien neue Kunden gewonnen werden, wird Erdgas auch an diejenigen Kunden geliefert, die sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt für Erdgas entschieden haben. Der "Altkunde" zahlt immer den gleichen Preis wie der "Neukunde", der sich aufgrund aktueller Wirtschaftlichkeitsüberlegungen für eine Erdgasheizung entscheidet. Damit hat auch der bereits angeschlossene Kunde die Sicherheit, dass er zu aktuellen Wettbewerbspreisen beliefert wird.

Mit den großen Industriekunden werden individuelle Preise vereinbart. Die Entwicklung dieser Preise wird über entsprechende Preisanpassungsklauseln den Änderungen des Marktes angepasst.

Marktpreise gelten auch auf den vorgelagerten Handelsstufen

Die am Markt beim Verbraucher in Konkurrenz zu den anderen Heizenergien erzielbaren Gaspreise sind auch Basis für die Preisbildung auf den vorgelagerten Handelsstufen beim Fluss des Gases vom Produzenten bis zum Verbraucher. Die Preise zwischen den inländischen oder ausländischen Produzenten und den überregionalen Gasversorgungs- unternehmen - wie auch die Preise zwischen den überregionalen Gasversorgungsunternehmen und den örtlichen Gasversorgungsunternehmen - orientieren sich an den Preisen, die der Verbraucher bereit ist zu zahlen.

Die von den Importgesellschaften vertraglich mit den Erdgasproduzenten vereinbarten Gaspreise orientieren sich bei Vertragsabschluss jeweils an der gegebenen Angebots- und Wettbewerbssituation für den Endverbraucher. Die Lieferverträge mit Erdgasproduzenten müssen in der Regel sehr langfristig angelegt sein. Die Preise der Konkurrenzenergien, zum Beispiel des Heizöls, sind ständigen Marktänderungen unterworfen. Deshalb wird üblicherweise von den Vertragspartnern eine Regelung vereinbart, nach der sich der Gaspreis an das sich wandelnde Wettbewerbspreisniveau anpasst.

Diese Anpassungen erfolgen in der Regel durch eine Preisgestaltung, die sich auch an der Entwicklung der Heizölpreise orientiert. Das leichte Heizöl ist in den Absatzbereichen Haushalte und Gewerbe der Haupt-konkurrent des Erdgases. In der Industrie und im Kraftwerksbereich sind es vor allem das schwere Heizöl und die Kohle.

Die von den örtlichen Gasversorgungsunternehmen an ihre Lieferanten zu zahlenden Gaspreise folgen gleichermaßen den Wettbewerbspreisen entsprechend den jeweils vertraglich vereinbarten Preisanpassungs-klauseln - automatisch in vorher bestimmten Zeit- abständen. Die einzelnen lokalen Gasversorgungsunternehmen richten die für ihre Kunden in ihrem Versorgungsgebiet geltenden Gaspreise in eigener Verantwortung nach der Marktsituation und ihren Absatzchancen aus.

Ein Erdgaspreis, der sich im Wettbewerb gebildet hat, wird gleicher-maßen den Interessen von Anbietern und Verbrauchern gerecht: Der Erdgaslieferant erhält den tatsächlichen Marktwert für sein Produkt, und dem Verbraucher wird ein Preis angeboten, der ihm einen Anreiz bietet, sich für Erdgas zu entscheiden und dabei zu bleiben.