Erdgas auf dem Energiemarkt
Entwicklung des Erdgases in Deutschland
Über anderthalb Jahrhunderte stützte sich die deutsche Gaswirtschaft auf Stadtgas oder Kokereigas. Dieses wurde aus Kohle hergestellt und stammte aus städtischen Gasanstalten oder Kokereien.Erdgas dagegen ist eine in der Natur vorkommende, so genannte Primärenergie. Zu den Primärenergien zählen neben Erdgas vor allem Mineralöl, Steinkohle, Braunkohle sowie Kernenergie und Wasserkraft.
In den alten Bundesländern verbreitete sich das Erdgas erst seit Mitte der 60er Jahre zunehmend; 1965 deckte Erdgas mit rund 2 Mrd m³ (rund 2 Mio t OE) nur 1 Prozent des Primärenergieverbrauchs.
Im Osten Deutschlands wurde Erdgas erstmals 1973 im Raum Salzwedel (im Westen von Sachsen-Anhalt) gefördert. Der Ausbau der Erdgaswirtschaft in den neuen Bundesländern, die flächendeckende Umstellung von Stadtgas auf Erdgas und die Modernisierung der technischen Anlagen und Leitungen sind von den Unternehmen der Gaswirtschaft seit Anfang der 90er Jahre zügig vorangetrieben und bereits 1995 abgeschlossen worden.
Erdgaseinsatz in Deutschland
In Deutschland wird Erdgas heute fast ausschließlich zum Heizen, Kochen und zur Warmwasserbereitung, zur Erzeugung von Prozesswärme in der gewerblichen und industriellen Produktion sowie zur Stromerzeugung - zu einem bedeutenden Teil durch Kraft-Wärme-Kopplung - eingesetzt. Darüber hinaus dient es der Chemischen Industrie als Rohstoff.Im Jahre 1999 wurden in Deutschland rund 81 Mrd m³ (72,3 Mio t OE) Erdgas verbraucht. Das waren 21 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs.
Erdgas ist damit neben dem Mineralöl (rund 40 Prozent) und der Stein- und Braunkohle (rund 24 Prozent) der dritte Eckpfeiler der Energieversorgung.
Der Erdgasverbrauch verteilte sich 1999 wie folgt auf die einzelnen Verbrauchsbereiche:
- 47 Prozent Haushalte und Kleinverbraucher
- 25 Prozent Industrie
- 13 Prozent Kraftwerke
- 15 Prozent sonstiger Verbrauch
Der Erdgasverbrauch der Haushalte und Kleinverbraucher - hierzu gehören Wohnungen, Handels- und Gewerbebetriebe, Verwaltungsgebäude und öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel Schulen und Schwimmbäder - betrug 1999 rund 38 Mrd m³ (rund 34 Mio t OE); das entsprach 34 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in diesem Absatzbereich.
Von Anfang der 70er Jahre bis Anfang der 90er Jahre haben sich in den alten Bundesländern jährlich mehr als 300 000 Haushalte für die Installation einer Erdgasheizung entschieden.
In den neuen Bundesländern setzte Anfang der 90er Jahre eine ähnlich positive Entwicklung ein, die zu noch höheren jährlichen Anschlusszahlen führte.
Heute werden in Deutschland 43 Prozent der Wohnungen mit Erdgas beheizt. Über 75 Prozent der Neubauwohnungen werden mit einer Erdgasheizung ausgestattet.
Auch bei Umstellung von einer Heizenergie auf eine andere liegt Erdgas vorn. Dieser Trend setzt sich fort. Die Zahl der gasbeheizten Wohnungen hat sich im Wettbewerb mit anderen Energien bis Ende 1999 auf rund 15,9 Mio erhöht. Erdgas ist damit der meistgenutzte Energieträger in diesem Bereich.
Der Heizölanteil dürfte sich, auch nach Prognosen der Mineralölwirtschaft, weiter verringern und der Erdgasanteil noch erhöhen. Der Anteil des Heizöls wird aber auch langfristig bedeutend bleiben.
Am industriellen Endenergieverbrauch hält Erdgas 1999 mit rund 20 Mrd m³ (rund 18 Mio t OE) einen Anteil von 32 Prozent. Bei der Wahl der Energieträger müssen die Industriebetriebe zunehmend die verschärften Umweltschutzauflagen berücksichtigen, die mit Erdgas leichter erfüllt werden können. Es bietet für die Automatisierung industrieller Wärmeprozesse und für den Einsatz in energiesparenden Produktionsanlagen gute technische und physikalische Voraussetzungen. Eine hoch entwickelte Mess- und Regeltechnik unter Verwendung der Mikroelektronik ermöglicht Nutzungssteigerungen in der industriellen Produktion.
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